{"id":25,"date":"2009-07-14T15:48:22","date_gmt":"2009-07-14T15:48:22","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.geofabrik.de\/?p=25"},"modified":"2009-07-14T15:48:22","modified_gmt":"2009-07-14T15:48:22","slug":"bericht-von-der-state-of-the-map-2009","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.geofabrik.de\/index.php\/2009\/07\/14\/bericht-von-der-state-of-the-map-2009\/","title":{"rendered":"Bericht von der State of the Map 2009"},"content":{"rendered":"<p>Am Sonntag ging in Amsterdam die diesj\u00e4hrige &#8220;State of the Map&#8221; zu Ende, die j\u00e4hrliche internationale OpenStreetMap-Konferenz. \u00dcber 200 Teilnehmer waren nach Holland gereist, um sich insgesamt \u00fcber 70 Vortr\u00e4ge anzuh\u00f6ren und nebenher nat\u00fcrlich zu &#8220;networken&#8221; und sich abends bei einem Bier oder anderen Genussmitteln zu unterhalten.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/mgilbir\/3716465898\/\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3626\/3716465898_f6fc07c8b4.jpg?v=0\" border=\"0\" alt=\"\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Konferenz war aufgeteilt in einen &#8220;Pro Users Day&#8221; am Freitag und die Community-Konferenz am Samstag\/Sonntag, allerdings war die Trennung nicht besonders strikt, und an allen drei Tagen kamen sowohl Mapper als auch gewerbliche OSM-Nutzer zu Wort. Wir selbst (Jochen und Frederik) haben insgesamt 6 Vortr\u00e4ge gehalten und uns ansonsten bem\u00fcht, nicht allzuviel zu verpassen. Trotzdem konnten wir nicht alles sehen, und der nun folgende Bericht enth\u00e4lt nur, was wir bemerkenswert fanden.<\/p>\n<p>Sehr interessant war der Vortrag von <a href=\"http:\/\/homepages.ge.ucl.ac.uk\/~mhaklay\/\">Muki Haklay<\/a> vom University College London \u00fcber die Qualit\u00e4t von OSM in Gro\u00dfbritannien. Der Vergleich mit dem leicht generalisierten Ordnance Survey-Datensatz &#8220;Meridian 2&#8221; und der nicht generalisierten &#8220;Master Map&#8221; zeigte, dass die Abweichungen zwischen OSM und der &#8220;Master Map&#8221; geringer sind als die zwischen OSM und &#8220;Meridian 2&#8221;, und OSM daher deutlich besser ist als das preiswertere der beiden OS-Produkte. Zugleich stellte Haklay aber auch fest, dass abseits der St\u00e4dte oft nur sehr wenige Mapper sich um einen Bereich k\u00fcmmern, und auch die innerst\u00e4dtische Qualit\u00e4t in bestimmten Gegenden deutlich schlechter ist als in anderen. Es w\u00e4re spannend, einige von Haklays Analysen automatisiert regelm\u00e4\u00dfig stattfinden zu lassen.<\/p>\n<p>Qualit\u00e4t war \u00fcberhaupt ein wichtiges Thema auf der SOTM; auch Jochen referierte dar\u00fcber, und <a href=\"http:\/\/giscussions.blogspot.com\/\">Steven Feldman<\/a> untersuchte, ob das mit OSM so weitergehen kann, oder ob wir uns irgendwann verheddern, weil niemand mehr Daten aktualisiert. Er kam zu dem Fazit, dass die Faktoren, die die Mapper motivieren, daf\u00fcr sorgen werden, dass OSM durchaus nachhaltig ist &#8211; also Entwarnung in dieser Frage.<\/p>\n<p>Der geplante Lizenzwechsel wurde \u00f6fters angesprochen und war auch Thema einer einst\u00fcndigen Veranstaltung, bei der nach einer kurzen Pr\u00e4sentation durch Mike Collinson von der OSM Foundation und <a href=\"http:\/\/www.opencontentlawyer.com\/\">Jordan Hatcher,<\/a> dem Kopf hinter der Open Database License, Fragen an die Mitglieder der Lizenz-Arbeitsgruppe gerichtet werden konnten. F\u00fcr eine inhaltliche Diskussion war das Forum allerdings zu gro\u00df.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/79774423@N00\/3712849116\/\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3455\/3712849116_573d45472d.jpg?v=0\" border=\"0\" alt=\"\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Veranstaltung fand \u00fcbrigens in einem zentral gelegenen Konferenzzentrum der Stadt Amsterdam statt. Das Catering &#8211; Mittagessen und Kaffeepausen &#8211; kam ebenfalls von der Stadt; die meiste Arbeit wurde von einer Gruppe Auszubildender gemacht, die die Stadt nach erfolgreicher Ausbildung in die Gastronomie vermittelt. Am Samstag abend gab es ein gro\u00dfes gemeinsames Abendessen f\u00fcr alle in einem nahe gelegenen chinesischen Restaurant, inklusive eines Gedicht-Wettbewerbs, bei dem sich unverzagte Mapper darin versuchten, <a href=\"http:\/\/wiki.openstreetmap.org\/wiki\/State_Of_The_Map_2009\/Poetry_Competition\">Haikus \u00fcber OpenStreetMap<\/a> zu verfassen:<\/p>\n<p>The old waterway=pond;<br \/>\nA frog jumps in \u2014<br \/>\nThe sound of the natural=water.<\/p>\n<p>Harry Wood referierte unter dem Titel &#8220;Community Smoothness&#8221; (eine Anspielung auf ausufernde Diskussionen im Rahmen der Einf\u00fchrung des Tags &#8220;Smoothness&#8221; f\u00fcr die Oberfl\u00e4chenbeschaffenheit von Wegen) \u00fcber die Art, wie bei OpenStreetMap Entscheidungen, besonders bez\u00fcglich des Taggings, getroffen werden. Er verwies auf einige interessante Ans\u00e4tze abseits einfacher Abstimmungen, wie zum Beispiel das &#8220;Tags I Use&#8221;-Konzept, bei dem jeder beschreibt, welche Tags er verwendet, oder <a href=\"http:\/\/tagstat.hypercube.telascience.org\/\">Tagstat<\/a>, bei dem statistische Auswertungen \u00fcber die Nutzung von Tags mit Beschreibungen und Bewertungen derselben verkn\u00fcpft werden. Am Rande wurde auch das <a href=\"http:\/\/files.getdropbox.com\/u\/1418629\/OpenStreetMap%20cheat%20sheet.pdf\">&#8220;Cheat Sheet&#8221;<\/a> erw\u00e4hnt, das die wichtigsten Tags und Potlatch-Befehle zusammenfasst.<\/p>\n<p>Wir h\u00f6rten viele Berichte \u00fcber den Status von OSM in anderen L\u00e4ndern, sowohl den europ\u00e4ischen Nachbarn als auch entlegenen Nationen wie Korea, Japan oder Kolumbien. In keinem anderen Land ist OSM so popul\u00e4r wie in Deutschland &#8211; in den zur\u00fcckliegenden 30 Tagen wurden \u00fcber 40% aller \u00c4nderungen der OSM-Daten in Deutschland vorgenommen. Dennoch wird von den viel kleineren Communities in anderen L\u00e4ndern oft Beachtliches geleistet, und man ist zu Recht stolz auf das Erreichte. Ein <a href=\"http:\/\/busroutes.in\/\">Busrouten-Projekt in Chennai (Indien)<\/a> wurde vorgestellt (offizielle Informationen von Busbetreibern gibt es dort kaum). Im Gaza-Streifen wurde mit OpenStreetMap-Technologie eine separate <a href=\"http:\/\/jumpstart-mapping.blogspot.com\/\">Public-Domain-Datenbank<\/a> aufgebaut, die nun schrittweise in OSM importiert wird. Wer Pal\u00e4stina mappt, der muss zum Beispiel eine Antwort auf die Frage haben, wie man eine Stra\u00dfe taggt, die f\u00fcr Pal\u00e4stinenser Einbahnstra\u00dfe ist, f\u00fcr Israelis aber nicht. Auch das Routing wird so von der Nationalit\u00e4t des Nutzers abh\u00e4ngig. In den USA steht OpenStreetMap nicht so gut da, wie die Datenlage es vermuten l\u00e4sst. Zwar hat OpenStreetMap aufgrund des TIGER-Imports rund 70% seines Datenvolumens in den USA, aber dennoch gibt es im ganzen Land nur wenige hundert aktive Mapper. Die TIGER-Daten sind h\u00e4ufig sehr verbesserungsbed\u00fcrftig, und es br\u00e4uchte eine gr\u00f6\u00dfere Community, um das in absehbarer Zeit zu schaffen.<\/p>\n<p>Zwei Vortr\u00e4ge befassten sich mit dem Thema des Mappings historischer Gegebenheiten &#8211; eine Diskussion, die auf der talk-de-Liste auch schon oft gef\u00fchrt wurde. Wie kann man kennzeichnen, dass ein Geb\u00e4ude zu einem bestimmten Zeitpunkt errichtet, dann mehrfach umgebaut und sp\u00e4ter abgerissen wurde, und wie kann diese Information in OSM einflie\u00dfen, ohne die &#8220;Brot-und-Butter-Anwendung&#8221;, das Mapping der Gegenwart, allzusehr zu st\u00f6ren? Hier liegen allerdings bisher keine gro\u00dffl\u00e4chig umsetzbaren Ideen auf dem Tisch.<\/p>\n<p>Richard Fairhurst berichtete von einer ganzen Anzahl kaum bekannter Funktionsmerkmale im <a href=\"http:\/\/wiki.openstreetmap.org\/wiki\/Potlatch\">Potlatch-Editor,<\/a> der rechtzeitig zur Konferenz in der Version 1.1 erschien. POIs k\u00f6nnen nun per Drag&amp;Drop gesetzt werden, und die Verwendung von Bildern aus openstreetphoto.org ist automatisiert. Eine Version 2.0, die das modernere Action Script 3 einsetzen wird, ist in Arbeit. In einigen Pr\u00e4sentationen von CloudMade-Mitarbeitern war ebenfalls die Rede von einem neuen, einfacheren Editor, der vor allem f\u00fcr spezialisierte Anwendungen (zum Beispiel im Sport) einsetzbar w\u00e4re, aber eine formale Ank\u00fcndigung gab es nicht.<\/p>\n<p>Andy Allan (von CloudMade und der OpenCycleMap) hielt einen Vortrag \u00fcber fortgeschrittene Kartographie und zeigte uns damit gleichzeitig, was unsere derzeitigen Karten alles noch nicht k\u00f6nnen oder nicht richtig machen. Wir k\u00f6nnen, das war sein Fazit, von gestandenen Kartographen und einschl\u00e4giger Literatur noch viel lernen. Als positives Beispiel wurde die <a href=\"http:\/\/toposm.com\/ma\/\">TopOSM-Karte<\/a> erw\u00e4hnt, die derzeit leider nur f\u00fcr den US-Bundesstaat Massachusetts verf\u00fcgbar ist. Auch einige andere Vortr\u00e4ge befassten sich mit dem Rendering, so k\u00fcndigte zum Beispiel CloudMade eine Partnerschaft mit der Cartography Ltd. an, um deren in C++ entwickelte Vektor-Rendering-Engine <a href=\"http:\/\/cartotype.com\"><\/a>CartoType auf mobilen Ger\u00e4ten mit CloudMade-Diensten einsetzen zu k\u00f6nnen. Lulu-Ann referierte \u00fcber <a href=\"http:\/\/wiki.openstreetmap.org\/wiki\/DE:HaptoRender\">Haptische Karten<\/a> f\u00fcr Sehgesch\u00e4digte.<\/p>\n<p>Die Firma Yahoo, der OpenStreetMap ja nach wie vor wegen der Freigabe s\u00e4mtlicher Luftbilder dankbar ist, war gleich doppelt pr\u00e4sent. Ein Mitarbeiter der Yahoo-Tochter Flickr berichtete, mit welchen teilweise abenteuerlichen Hacks OpenStreetMap-Karten zur Georeferenzierung in Flickr eingebunden werden, und die Yahoo-Geo-Abteilung k\u00fcndigte an, dass man bis 2010 alle Geodaten, an denen man selbst die Rechte hat, freigeben m\u00f6chte und, wo immer m\u00f6glich, selbst auf freie Daten zur\u00fcckgreifen will, anstatt zuzukaufen.<\/p>\n<p>Mit gro\u00dfen Interesse (und mit Schmunzeln) haben wir den Beitrag von James Rutter aus der GIS-Abteilung der Kreisverwaltung Surrey Heath (nahe London) verfolgt. Nach dem Motto &#8220;auch Beamte wollen Spa\u00df bei der Arbeit haben&#8221; wird die Verwaltung dort Schritt f\u00fcr Schritt auf OpenStreetMap (anstelle der sonst \u00fcblichen &#8220;offiziellen&#8221; Ordnance-Survey-Produkte) umgestellt. OpenStreetMap wird hier nicht nur (dank eines eigenen Tile-Servers) benutzt, sondern auch verbessert &#8211; nach allen Regeln der Kunst mit GPS und Luftbildern, f\u00fcr die eigens eine Lizenz zum Abdigitalisieren gekauft wurde.<\/p>\n<p>Die Firma CloudMade k\u00fcndigte an, Ende des Jahres einen &#8220;Marktplatz&#8221; anbieten zu wollen, auf dem neben OpenStreetMap auch nicht-freie Datens\u00e4tze von ihren Lizenzinhabern zum Verkauf angeboten werden k\u00f6nnen. Die existierenden CloudMade-Dienste waren auch in einigen Vortr\u00e4gen Dritter vertreten; beispielsweise wurde die erfolgreiche <a href=\"http:\/\/www.offmaps.com\">Offmaps-Applikation<\/a> f\u00fcr das iPhone vorgestellt, mit der man Karten f\u00fcr die Offline-Nutzung herunterladen kann. Offmaps war als Anwendung f\u00fcr Google Maps gestartet, musste sich dann aber wegen der Google-Nutzungsbedingungen nach einer anderen Kartenquelle umsehen.<\/p>\n<p>Den Abschluss der Veranstaltung am Sonntag bildete eine Auktion, bei der Henk Hoff (Mitglied des Organisationskomitees vor Ort) alles, was nicht niet- und nagelfest war, unter den Hammer brachte und so noch einmal einen vermutlich vierstelligen Betrag an Spenden f\u00fcr die OSM Foundation vereinnahmte.<\/p>\n<p>Insgesamt war es eine sehr gelungene Veranstaltung, wenn sie auch (mit meist nur 15min\u00fctigen Vortr\u00e4gen und kaum Zeit f\u00fcr Fragen und Antworten) zum Teil etwas \u00fcberdreht wirkte. Viele Bekannte aus den Mailinglisten trafen wir zum ersten Mal in Person. Das Wetter spielte auch ausgezeichnet mit &#8211; die Ortsans\u00e4ssigen versicherten uns, dass es auch im Juli keineswegs selbstverst\u00e4ndlich sei, sein Bier abends im Freien trinken zu k\u00f6nnen!<\/p>\n<p>Die Geofabrik-Vortr\u00e4ge auf der SOTM zusammengefasst:<\/p>\n<ul>\n<li>&#8220;Bridging the Gap &#8211; Using OSM Data with GIS Tools&#8221; (Jochen) &#8211; ein kurzer Abriss dar\u00fcber, was man als OSMer \u00fcber die GIS-Welt wissen sollte, und ein praktisches Beispiel zur Verarbeitung von OSM-Daten in der PostGIS-Datenbank.<\/li>\n<li>&#8220;Creating Quality the OSM Way&#8221; (Jochen) &#8211; \u00fcber Hilfsmittel zur Qualit\u00e4ts\u00fcberwachung bei OSM.<\/li>\n<li>&#8220;Making Money with OpenStreetMap&#8221; (Frederik) &#8211; eine Ermunterung an die Community, sich auch in die gesch\u00e4ftliche Nutzung von OSM einzumischen, und ein Bisschen Gesch\u00e4ftsethik dazu.<\/li>\n<li>&#8220;The OSM Spirit&#8221; (Jochen) &#8211; eine humorvolle, akronym-basierte Untersuchung, wie das Projekt &#8220;tickt&#8221;, und an welchen Stellen wir bereits von anderswo bekannte Regeln bei uns anwenden.<\/li>\n<li>&#8220;The State of Germany&#8221; (Frederik) &#8211; ein Bericht \u00fcber den Stand von OSM in Deutschland. Und schlie\u00dflich<\/li>\n<li>&#8220;Undo &amp; Revert &#8211; the Nuts and Bolts of OSM Firefighting&#8221; (Frederik) &#8211; ein Workshop dar\u00fcber, wie und unter welchen Umst\u00e4nden man \u00c4nderungen r\u00fcckg\u00e4ngig machen kann und sollte.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die meisten Beitr\u00e4ge wurden auf Video aufgezeichnet. Im <a href=\"http:\/\/wiki.openstreetmap.org\/wiki\/State_Of_The_Map_2009\">OpenStreetMap-Wiki<\/a> steht, welche schon fertig aufbereitet und herunterladbar sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Sonntag ging in Amsterdam die diesj\u00e4hrige &#8220;State of the Map&#8221; zu Ende, die j\u00e4hrliche internationale OpenStreetMap-Konferenz. \u00dcber 200 Teilnehmer waren nach Holland gereist, um sich insgesamt \u00fcber 70 Vortr\u00e4ge anzuh\u00f6ren und nebenher nat\u00fcrlich zu &#8220;networken&#8221; und sich abends bei einem Bier oder anderen Genussmitteln zu unterhalten. 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